NLNadine Luskovec
Zur Person & Forschung
Nadine Luskovec ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig. Ihre Forschung gilt dem Verhältnis von Klimageschichte und Bildkunst in der frühen Neuzeit, insbesondere niederländischen Winterbildern des 16. und 17. Jahrhunderts und ihrer Verknüpfung mit den klimatischen Bedingungen der Kleinen Eiszeit.
Im Rahmen von LitLIA verbindet sie kunsthistorische Perspektiven mit den literaturwissenschaftlichen Fragestellungen des Projekts. Sie nimmt regelmäßig am Kolloquium „Early Modern Climate Cultures" teil und war an der Tagung 2026 als Referentin beteiligt.
Zweitbetreuung: Jun.-Prof. Dr. Joana van de Löcht, Universität Münster, Germanistisches Institut, Abteilung Neuere deutsche Literatur
Ziel der Arbeit ist eine differenzierte, sowohl kunst- als auch klimahistorisch fundierte Untersuchung der Beziehungen zwischen niederländischen Winterbildern und markanten Kältewellen während der ‚Kleinen Eiszeit'. Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich auf den Einfluss der Kältewellen auf die Kunstwerke. Weitgehend unberücksichtigt blieben dabei gesellschaftliche Reaktionen auf die Kältewellen sowie die aktive Rolle von Bildern innerhalb von Gesellschaften – eine Lücke, die das Dissertationsprojekt schließt, indem es nach der Rolle von Winterbildern in der Wahrnehmung von und im gesellschaftlichen Umgang mit den Kältewellen fragt.
Untersuchungsgegenstand sind Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde mit Winterdarstellungen aus der Zeitspanne von 1565 bis ca. 1700. Der regionale Schwerpunkt verlagert sich mit Beginn des 17. Jahrhunderts von den Südlichen Niederlanden (Antwerpen) in die nördlichen Vereinigten Niederlanden (Amsterdam). Methodisch differenziert die Arbeit zwischen Topografischen- und Imaginierten Winterbildern: Während Imaginierte Winterbilder primär der künstlerischen Vorstellungskraft entspringen, zeigen Topografische Winterbilder identifizierbare zugefrorene Wasserflächen und beziehen sich teils auf konkrete historische Kältewellen. Letztere bilden eine Hauptwerkgruppe der Analyse, neben Porträts von Mitgliedern des Hauses Oranien-Nassau in Winterlandschaften, Winterbildern in Adriaen van de Vennes Album (ca. 1626) und Darstellungen von Eiskähnen (nl. Ijsschuiten).
Für die Analyse werden kunst- und bildwissenschaftliche Methoden (Ikonographie, Motivanalyse, Rezeptionsästhetik, Diskurseinbettung) mit Konzepten und Modellen der Klimageschichtsforschung (Impact Order Modell, Resilienz, Vulnerabilität, Adaption) verknüpft. Vergleichend herangezogen werden zudem moralische Literatur sowie zeitgenössische Textquellen und Lieder zu Kältewellen.
Forschungsschwerpunkte
- Klima & Bildkunst: Niederländische Winterbilder 16./17. Jh. im Kontext der Kleinen Eiszeit; Todsündenikonografie
- Frühneuzeitliche Kunst: Lebensmittel- und Brennstoffmangel in Antwerpen und Amsterdam im Spiegel der Malerei
Bezug zu LitLIA
- Vortrag auf dem LitLIA-Workshop 2026: Frierende Städte. Lebensmittel- und Brennstoffmangel in Antwerpen (1565–1600) und Amsterdam (17. Jh.) im Spiegel niederländischer Winterbilder und ihrer Todsündenikonografie
- Vortrag beim Workshop Painting the Little Ice Age: China – Germany – Netherlands, 29.06.2026, mit Yizhou Wang (Hongkong) und LitLIA (Münster)
- ESEH-Roundtable Uppsala 2025: „Between Evidence and Interpretation: Evaluating Pre-Modern Sources on Past Climate Changes in Art, Architecture, and Literature"
- Teilnahme am Kolloquium „Early Modern Climate Cultures", WiSe 2026/27
